Auf Heines Spuren durch die Düsseldorfer Altstadt – Heinrich-Heine-Stätten Teil 1/3

Das Jan-Wellem-Denkmal auf dem Düsseldorfer Markplatz. Foto: SP

Es ist wirklich erstaunlich, wie viele Orte in Düsseldorf mit Heinrich Heine in Verbindung stehen. In dieser dreiteiligen Blog-Reihe führe ich Sie auf Heines Spuren durch die Gassen von Düsseldorf. Sie können jeden einzelnen Ort mit Google Maps öffnen und sich von dort aus weiterleiten lassen. Die virtuelle Heine-Tour beginnt in der Bolkerstraße, wo sich Heines Geburtshaus befindet.

1. Heinrich Heines Geburtshaus

Heinrich Heine ist ein Kind der Düsseldorfer Altstadt und erblickte wahrscheinlich am 13. Dezember 1797 als Harry Heine das Licht der Welt. Hier lebte die sechsköpfige Familie und nur wenige Straßen weiter die mütterliche Verwandtschaft. Ob Harry und seine Geschwister Charlotte, Gustav und Maximilian im Vorder- oder im Hinterhaus geboren sind, lässt sich heute nicht mehr beurteilen. Nur soviel ist gewiss: Seine Eltern Betty und Samson Heine mieteten die Wohn- und Geschäftsräume von einer Verwandten der mütterlichen Familie, der Witwe Gütchen van Geldern.

Im Vorderhaus führte Heines Vater von 1797-1809 ein Geschäft mit exklusiven Modewaren aus England, bevor die Familie das Wohnhaus gegenüber erwarb und dort bis 1819 wohnte. Beide Häuser wurden im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt und neu aufgebaut. Das »Heine-Haus« in der Bolkerstraße 53 ziert eine Gedenktafel von Wilhelm Hoselmann aus dem Jahr 1947.

Heinrich Heines Geburtshaus auf der Bolkerstraße 53
Heinrich Heines Geburtshaus auf der Bolkerstraße 53. Foto: SP

Heines Geburtshaus hat eine bewegte Geschichte mit wechselnden Inhabern. Im 19. Jahrhundert war es zunächst ein Geschäft für Künstlerbedarf, das auch eine erste Marmortafel zum Gedenken anbringen ließ, und später einer Metzgerei. Im 20. Jahrhundert wechselte das Gewerbe zur Bäckerei und ab den 1980er Jahren entstanden zuerst eine Kneipe und dann das »Schnabel«, ein beliebter Treffpunkt der Düsseldorfer Schriftstellerszene. Heute beherbergt das »Heine-Haus« die »Müller & Böhm Literaturhandlung«. Im Vortragsraum erinnern noch einige Backsteine an die ursprüngliche Bebauung und die Toilettenanlage an die Backstube.

Der etwa 30-jährige Heinrich Heine hat sich sein Geburtshaus schon als Erinnerungsstätte ausgemalt:

Dieses Haus wird einst sehr merkwürdig sein seyn, und der alten Frau, die es besitzt, habe ich sagen lassen, daß sie bey Leibe das Haus nicht verkaufen solle. Für das ganze Haus bekäme sie jetzt doch kaum so viel wie schon allein das Trinkgeld betragen wird, das einst die grünverschleyerten, vornehmen Engländerinnen dem Dienstmädchen geben, wenn es ihnen die Stube zeigt, worin ich das Licht der Welt erblickt (…)

Heinrich Heine: Ideen. Das Buch Le Grand (1826)

Und hier geht es zu Heines Geburtshaus mit Google Maps:

2. Heinrich-Heine-Büste in der Brauerei

In der Nachbarschaft zum späteren Wohnhaus der Familie Heine auf der Bolkerstraße 42 weihte der Dichter Herbert Eulenberg im Jahre 1913 eine Heine-Büste von Emil Jungblut in der Gaststätte »Im Goldenen Kessel« ein und nannte es ein »Käfigdenkmal«. Denn öffentliche Heine-Denkmäler waren im damaligen Deutschland politisch nicht möglich und jeder Versuch hart umkämpft.

Die Heine-Ecke im Brauhaus hat die Zeiten überdauert. Hier können Sie gemütlich einkehren und mit Heine ein Altbier trinken:

Ich werde hier sehr ernsthaft, fast deutsch; ich glaube das thut das Bier.

Heinrich Heine: Brief an August Varnhagen van Ense, München 1. April 1828

Und hier geht es zur Gaststätte »Im Goldenen Kessel«:

3. Die »Arche Noah« in der Mertensgasse 1

Im kleinen Haus »Arche Noah« wurde Heines Mutter Betty geboren. Als Harry Heine dort auf dem Dachboden spielte, gehörte es ihrem Bruder Simon van Geldern. Er war ein sonderbarer Kauz mit schriftstellerischen Ambitionen. Onkel Simon begleite Heines erste Schreibversuche und unterstützte ihn nach Leibeskräften. Schon bald entwickelte Harry sein dichterisches Talent.

Er beschenkte schon den Knaben mit den schönsten kostbarsten Werken, er stellte zu meiner Verfügung seine eigne Bibliothek, die an klassischen Büchern und wichtigen Tagesbroschüren so reich war und er erlaubte mir sogar auf dem Söller der Arche Noae in den Kisten herumzukramen, worin sich die alten Bücher und Skripturen des seligen Großvaters befanden.

Heinrich Heine: Memoirenfragment

In Heines Memoiren steht das Haus für die Welt der Bücher und Vorfahren. Auf dem Dachboden fand er das Tagebuch seines verstorbenen Großonkels Simon van Geldern, der ebenfalls ein Schriftgelehrter war, aber große Reisen in den Vorderen Orient unternahm und den kleinen Harry stark beeindruckte. Dieser Großonkel war das schwarze Schaf der mütterlichen Familie und wurde der »Morgenländer« genannt. Heine war von ihm fasziniert und seine kindliche Fantasie träumte all die Reisen des bewunderten Mannes nach.

Heute beherbergt das Haus die Geschäftsstelle der Düsseldorfer Jonges:

4. »Jan Wellem«-Denkmal

Auf dem Marktplatz kletterte Harry mit seinen Mitschülern und Nachbarskindern auf das berühmte Reiterdenkmal des Kurfürsten Johann Wilhelm II., welcher u.a. Herzog von Jülich-Berg war. Er wurde 1658 im Düsseldorfer Stadtschloss geboren und gilt als volkstümlicher Monarch, obwohl er dem Absolutismus nahestand. Die Düsseldorfer nennen ihn liebevoll »Jan-Wellem«. Unter seiner Regierungszeit blühte die Stadt auf, bekam eine Straßenbeleuchtung, ein Theater und eine weithin beachtete Gemäldegalerie, die auch Goethe lobte.

Das Jan-Wellem-Denkmal in Düsseldorf aus dem Jahr 1711
Das Jan-Wellem-Denkmal in Düsseldorf aus dem Jahr 1711. Foto: SP

Heine charakterisiert den Kurfürsten so:

(…) und wenn jetzt die grünverschleyerten, vornehmen Engländerinnen nach Düsseldorf kommen, so lassen sie das berühmte Haus noch unbesichtigt und gehen direct nach dem Marktplatz, und betrachten die dort in der Mitte stehende, schwarze, kolossale Reuterstatue. Diese soll den Kurfürsten Jan Wilhelm vorstellen. Er trägt einen schwarzen Harnisch, eine tiefherabhängende Allongeperücke (…)

Er soll ein braver Herr gewesen seyn, und sehr kunstliebend, und selbst sehr geschickt. Er stiftete die Gemäldegallerie in Düsseldorf, und auf dem dortigen Observatorium zeigt man noch einen überaus künstlichen Einschachtelungsbecher von Holz, den er selbst in seinen Freystunden – er hatte deren täglich vier und zwanzig – geschnitzelt hat.

Heinrich Heine: Ideen. Das Buch Le Grand (1826)

Hier geht es zum Jan-Wellem-Denkmal in Düsseldorf (es gibt nämlich auch eins in Köln):

Im nächsten Teil der virtuellen Heinrich-Heine-Tour geht es um die Heine-Stätten in der Carlstadt.

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