Auf Heines Spuren durch die Düsseldorfer Carlstadt – Heinrich-Heine-Stätten Teil 2/3

Am alten Holzkreuz des Franziskanerklosters kam Harry Heine oft vorbei, als er für Latein paukte. Foto: privat

Nachdem Sie im ersten Teil der virtuellen Heinrich-Heine-Tour die Altstadt besichtigt haben, geht es nun weiter in die Carlstadt. Der Besuch bietet sich von der Altstadt aus günstig an und ist fußläufig in wenigen Minuten zu erreichen. Auf dem Weg erfahren Sie, wie kurz die Entfernungen waren, die Heinrich Heine in seiner Düsseldorfer Heimat zurücklegte. Die einzelnen Orte können Sie mit Google Maps öffnen oder die Webseite der Einrichtung besuchen.

Heinrich Heine, der damals noch Harry hieß, ging in der Carlstadt zur Schule. Er besuchte die Vorläufer von Maxschule und Maxhaus. Neben den biografischen Bezügen ist die Carlstadt aber auch ein Ort der Heine-Erinnerung, Ausstellung und Forschung.

1. Maxschule

Seit seinem 6. Lebensjahr besuchte Harry eine jüdische Privatschule auf der Ratinger Straße. Parallel dazu schickte ihn seine Mutter Betty im Alter von 7 Jahren auf die »2. Teutsche Normalschule auf der Citadelle«, welches eine katholische Grundschule war. Durch seine jüdischen Herkunft machte Harry dort eine viele unangenehme Erfahrungen mit seinen Mitschülern und seinen Lehrern.

In seinen Memoiren erzählt Heine, wie er eines Tages seinen Mitschülern unbedarft mitteilte, dass sein Großvater ein kleiner Jude gewesen und einen langen Bart gehabt habe. Diese Mitteilung brachte die Klasse völlig außer Rand und Band. Als Verursacher des Spektakels wurde der kleine Harry ermittelt und erhielt eine ungeheure Tracht Prügel, die er sein Leben lang nicht vergaß.

Es waren die ersten Prügel die ich auf dieser Erde empfing und ich machte bey dieser Gelegenheit schon die philosophische Betrachtung, daß der liebe Gott, der die Prügel erschaffen, in seiner gütigen Weisheit auch dafür sorgte, daß derjenige welcher sie ertheilt am Ende müde wird, indem sonst am Ende die Prügel unerträglich würden.

Heinrich Heine: Memoiren (1854)

Übrigens verfügt die Maxschule über ein historisches Klassenzimmer, das Sie mit Voranmeldung besuchen können.

Und hier geht es zur Maxschule mit Google Maps:

2. Maxhaus

Im Zuge der Säkularisation wurde der Franziskanerorden in Düsseldorf aufgelöst und das Klostergebäude in ein humanistisches »Lyzeum« nach französischem Vorbild umgewandelt. Diese Art des Gymnasiums hatte in Düsseldorf bereits eine lange Tradition. Sie geht auf das Jahr 1545 zurück. Nachfolger dieser Einrichtung ist heute das Görres-Gymnasium an der Königsallee.

Sowohl in der Normalschule als auch »Lyzeum« wurde Harry Heine von katholischen Geistlichen unterrichtet, denen er in seinen »Geständnissen« ein kleines Denkmal setzt: »Denn katholische Priester waren es, denen ich als Kind meinen ersten Unterricht verdankte; sie leiteten meine ersten Geistesschritte. Auch in der höhern Unterrichtsanstalt zu Düsseldorf, welche unter der französischen Regierung das Lyceum hieß, waren die Lehrer fast lauter katholische Geistliche, die sich alle mit ernster Güte meiner Geistesbildung annahmen (…).« Heine besuchte das Gymnasium von 1809 bis 1814 und verließ es ohne Abschluss.

Ganz besonders förderte ihn der Theologieprofessor und Rektor Ägidius Jakob Schallmeyer, ein alter Freund der Familie von Heines Mutter. Er führte Harry in die empirische und idealistische Philosophie ein.

Unter den Schulfächern plagte sich Harry vor allem mit der lateinischen Grammatik. Im Kreuzgang des Maxhauses erinnert noch heute ein altes Kruzifix an den jungen Dichter, der sich vom Heiland ein wenig Beistand erhoffte:

In den dumpfen Bogengängen des Franziskanerklosters, unfern der Schulstube, hing damals ein großer, gekreuzigter Christus von grauem Holze, ein wüstes Bild, das noch jetzt zuweilen des Nachts durch meine Träume schreitet, und mich traurig ansieht mit starren, blutigen Augen – vor diesem Bilde stand ich oft und betete: O du armer, ebenfalls gequälter Gott, wenn es dir nur irgend möglich ist, so sieh doch zu, daß ich die verba irregularia im Kopfe behalte.

Heinrich Heine: Ideen. Das Buch Le Grand

Und hier geht es zum Maxhaus. In seinem Innenhof gibt es ein gutes Restaurant:

3. Heinrich-Heine-Institut der Landeshauptstadt Düsseldorf

Die Carlstadt ist das Kulturviertel Düsseldorfs. Am 13. Dezember 1974 eröffnete das Heinrich-Heine-Institut im ehemaligen Palais der Fürstin Salm-Reifferscheidt-Krautheim auf der Bilker Straße 14. Es beherbergt bis heute das weltweit einzige Museum für den Dichter Heinrich Heine und bezieht auch Heines Zeitgenossen in Sammlung und Forschung mit ein. Seit 1988 umfasst das Heine-Institut auch das benachbarte Haus Nr. 12 und zeigt im dortigen Erdgeschoss seine Wechselausstellungen. Mit seinem umfangreichen Literaturarchiv hat sich das Heine-Institut als eine wichtigste Anlaufstellen internationaler Heine-Forscher etabliert.

Die neu konzipierte Dauerausstellung befindet sich im ersten Obergeschoss und ist unter dem Titel »Romantik und Revolution« ansprechend gestaltet, modern und liebevoll ausgestattet. Daneben steht den interessierten Heine-Freunden die reichhaltige Bibliothek kostenfrei zur Verfügung (Anmeldung erforderlich). Zum Verständnis des nahegelegenen Heinrich-Heine-Monuments ist Heines Totenmaske ein wichtigstes Exponat im Museum. Sie bildet den Ausgangs- und Mittelpunkt der Denkmalkonzeption von Bert Gerresheim, die Sie auf der nächsten Station sehen.

Beim Heinrich-Heine-Institut lohnt der Blick nach oben: Loreley-Banner zieren die Ausstellungsräume von außen. Foto: SP

Hier geht es zum Heinrich-Heine-Institut auf der Bilker Straße.

Achtung: Nicht verwechseln mit der Bolkerstraße, in der das Geburtshaus steht!

4. Heines »Matratzengruft« auf dem Schwanenmarkt

In unmittelbarer Nähe zum Heinrich-Heine-Institut errichtete der Düsseldorfer Bildhauer Bert Gerresheim 1981 das Heinrich-Heine-Monument und schuf damit ein einzigartiges Werk, das die Düsseldorfer Öffentlichkeit provozierte. Am 17. Februar 1981 wurde es der Öffentlichkeit feierlich übergeben.

Bert Gerresheim nennt es nicht Denkmal, sondern »Fragemal« und stellt Heine als mehrschichtigen, modernen Dichter vor. Das Denkmal ist das Ergebnis einer künstlerischen Auseinandersetzung mit dem Leben und Werk des umstrittenen deutschen Dichters. In seiner Brüchigkeit spiegelt das Werk die Geschichte der verhinderten und gestürzten Heine-Denkmäler in Deutschland und Düsseldorf wider.

Der Fokus des Heinrich-Heine-Monuments liegt auf dem späten Heine in der »Matratzengruft«. So bezeichnete der Dichter sein abgedunkeltes Zimmer, in dem er acht Jahre lang auf mehreren Matratzen gebettet lag. Obwohl er halbseitig gelähmt, fast blind und bettlägerig war seine Schaffenskraft ungebrochen. Dies und seine Frau Mathilde bestärkten Heine darin in seiner ausweglosen Situation durchzuhalten und nicht aufzugeben. In seinen schlaflosen Nächten verfasste er unzählige Gedichte, die er in seinem Gedichtband »Romanzero« 1851 veröffentlichte und damit einen Bestseller schuf. Diesem Werk hat Bert Gerresheim sein Monument gewidmet.

Heinrich Heine deutete seine Situation als Spätfolge einer Syphilis, als Krankheit der glücklichen Männer:

K. – Jammer.

Diese graue Wolkenschaar

Stieg aus einem Meer von Freuden;

Heute muß ich dafür leiden

Daß ich gestern glücklich war.

Ach, in Wermuth hat verkehrt

Sich der Nektar! Ach, wie quälend

Katzen-Jammer, Hunde-Elend

Herz und Magen mir beschwert!

Heinrich Heine: Romanzero (1851)

Hier geht es zum Heinrich-Heine-Monument in Düsseldorf:

Im dritten und letzten Teil der virtuellen Heinrich-Heine-Tour geht es um die gut versteckten Heinrich-Heine-Denkmäler im Hofgarten.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert