Für Freiheit und Menschenrechte: Heine in Bronze und Stein an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

Vor sieben Jahren kam das letzte Denkmal auf den Campus der Heinrich-Heine-Universität: ein riesiges Heine-Buch von Bert Gerresheim. Foto: SP

Heinrich Heine ist heute ganz selbstverständlich Namensträger der Heinrich-Heine-Universität. Das war nicht immer so. Zwischen 1965 und 1988 war Heinrich Heine stark umkämpft. Studenten, Dozenten, Professoren und Rektorat stritten jahrelang um die Frage, ob die Universität Düsseldorf überhaupt einen zusätzlichen Namen annehmen solle und ob der Dichter Heinrich Heine dafür geeignet sei.

Doch das ist Geschichte. Mittlerweile stehen auf der Magistrale zwischen Universitätsbibliothek und Mensa gleich drei Heinrich-Heine-Denkmäler. Und damit herrscht auf dem Campus der Heinrich-Heine-Universität die höchste Denkmal-Dichte überhaupt.

Der Heine-Stein vor dem Hörsaal 3A

Der Heine-Stein war ein Gemeinschaftsprojekt von AStA und Germanistik-Professor Wilhelm Gössmann (1926-2019). 1993 stellten sie einen Schieferblock vor der Außenwand des Hörsaals 3A auf. Dort hatte es regelmäßig studentische Heine-Aktionen für die Benennung der Universität nach Heinrich Heine gegeben. Im Zuge nächtlicher Tanzveranstaltungen malten die Studenten überdimensionale Heine-Porträts auf die Hörsaal-Wand. Das war der Universitätsverwaltung ein Dorn im Auge und sie ließ die Bildnisse in der Frühe des nächsten Morgens übertünchen. Heinrich Heine hätte darauf gedichtet: »Ihr wolltet mein Gesicht nicht haben, / Nun könnt ihr am Gegenteil Euch laben.«

Der Schieferblock wirkt wie eine herausgerissene Buchseite. Auf ihr ist die Schlussstrophe des Heine-Gedichts »Enfant perdü« eingraviert. Das Gedicht ist ein Resümee des politisch engagierten Schriftstellers auf dem Krankenlager, seiner Pariser »Matratzengruft«. Heinrich Heines nennt darin eine Zeitangabe von 30 Jahren, die exakt seiner schriftstellerischen Laufbahn von den Anfängen 1819 bis zur Niederschrift der Verse im Jahr 1849 entspricht. Er richtet sich damit an die jungen, motivierten Nachfolger, die seinen Kampf für Demokratie, Freiheit und Emanzipation der Menschheit fortsetzen.

Ein Posten ist vakant! – Die Wunden klaffen –

Der Eine fällt, die Andern rücken nach –

Doch fall’ ich unbesiegt, und meine Waffen

Sind nicht gebrochen – Nur mein Herze brach.

Heinrich Heine: Enfant perdü

Das Heine-Standbild vor der Universitätsbibliothek

Ein Jahr später, 1994, ließ das Rektorat eine an Heine erinnernde Figur in Denkerpose aufstellen. Vor der Universitätsbibliothek ist sie zu einem beliebten Fotomotiv geworden. Die Figur ist eine Nachbildung des 1926 in Hamburg eingeweihten Heine-Standbilds von Hugo Lederer, das von den Nationalsozialisten demontiert und als Metallspende eingeschmolzen wurde. Eine Tafel am Sockel weist auf den Mahnmalcharakter der Figur hin, zu der die hellsichtige Sentenz aus Heines früher Tragödie »Almansor« (1821/23) passt:

Almansor.

Wir hörten daß der furchtbare Ximenes,

Inmitten auf dem Markte, zu Granada –

Mir starrt die Zung’ im Munde – den Koran

In eines Scheiterhaufens Flamme warf!

Hassan.

Das war ein Vorspiel nur, dort, wo man Bücher

Verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen.

Heinrich Heine: Almansor

Das Heine-Buch-Denkmal von Bert Gerresheim

Heute vor sieben Jahren, am 30. Oktober 2012, reihte sich das Heine-Buch des Düsseldorfer Bildhauers Bert Gerresheim in die Denkmalachse der Magistrale ein. Es steht vor dem Roy-Lichtenstein-Saal genau in der Mitte zwischen den beiden Denkmälern der 1990er Jahre. Gerresheim hatte bereits das »Fragemal« auf dem Düsseldorfer Schwanenmarkt und eine Heine-Büste für die Walhalla geschaffen. Er stellte sich hier der Aufgabe, ein repräsentatives Denkmal für die gesamte Universität zu errichten. Das Buch als Symbol für Literatur und Wissenschaft solle sowohl für Heines dichterisches Wirken als auch für die Historisch-kritische Gesamtausgabe von Heines Werken stehen, die zum überwiegenden Teil an der Düsseldorfer Universität und unter Mitarbeit mehrerer Jahrgänge von Studenten entstand.

Ein Auszug aus Heines Fragment »Verschiedenartige Geschichtsauffassungen« (1833) würdigt Heines Engagement für die universellen Menschenrechte, insbesondere für das Recht auf ein menschenwürdiges Dasein:

Das Leben ist weder Zweck noch Mittel; das Leben ist ein Recht. Das Leben will dieses Recht geltend machen gegen den erstarrenden Tod, gegen die Vergangenheit, und dieses Geltendmachen ist die Revoluzion. (…) Le pain est le droit du peuple, sagte Saint-Just und das ist das größte Wort, das in der ganzen Revoluzion gesprochen worden –

Heinrich Heine: Verschiedenartige Geschichtsauffassungen

Weiterlesen:

Christian Liedtke: Überall und nirgends. Heinrich Heines Denkmäler: mit unbekannten Dokumenten zum Düsseldorfer Denkmalprojekt, in: Heine-Jahrbuch Band 87 (2017), Seite 77-100.

Link zur Nordrhein-Westfälische Bibliographie

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