Heinrich Heines Leben: Biografische Notizen über seine Zeit in Düsseldorf und Paris

Sah so der junge Dichter aus? Heinrich Heines Gesicht mit künstlicher Intelligenz verjüngt.

Heinrich Heine ist einer der bekanntesten deutschsprachigen Schriftsteller des 19. Jahrhunderts. Er wurde in Düsseldorf geboren und lebte lange Zeit in Paris. Sein Werk ist voller Witz und Poesie und sprudelnder Lebendigkeit.

Lesen Sie hier eine kurze Biografie zu Heines 222. Geburtstag, umrahmt von Skulpturen des Düsseldorfer Künstlers Bert Gerresheim.

Sy. Freudhold Riesenharf – Harry Heine Dusseldorff

Und ich bin wieder ein Kind und spiele mit andern Kindern auf dem Schloßplatze zu Düsseldorf am Rhein. Ja, Madame, dort bin ich geboren, und ich bemerke dieses ausdrücklich für den Fall, daß etwa, nach meinem Tode, sieben Städte – Schilda, Krähwinkel, Polkwitz, Bockum, Dülken, Göttingen und Schöppenstädt – sich um die Ehre streiten, meine Vaterstadt zu seyn.


Ideen. Das Buch Le Grand

Heinrich Heine, geboren als Harry Heine, vermutlich am 31. Januar 1798 (und nicht am 13. Dezember 1797), fühlte sich in Düsseldorf immer sehr wohl. Seine behütete und zugleich relativ freie Kindheit und Jugend prägten ihn für sein weiteres Leben. Davon zeugen seine zahlreichen Gedichte und autobiografischen Erzählungen.

Heines Familie wohnte auf der Bolkerstraße, wo sein Vater Samson Heine ein Modegeschäft betrieb. Heines Mutter Betty kümmerte sich rührend um die vielseitige Bildung der vier Kinder. Von der Bolkerstraße war es nur ein Katzensprung zum Marktplatz, wo Harry zusammen mit den Nachbarskindern das Jan-Wellem-Denkmal erkletterte. Gleich nebenan lockte ihn die öffentliche Bibliothek zum Lesen und Stöbern. Nur wenige Meter entfernt machte Harry seine ersten schriftstellerischen Versuche im Haus seines Onkels mütterlicherseits, der ebenfalls eine große Privatbibliothek besaß. Im Hofgarten las Harry von den Heldentaten des Don Quichotte und erlebte den Einzug seines lebenden Helden Napoleon Bonaparte! Die Schulbank drückte er in verschiedenen Privatschulen und im säkularisierten Franziskanerkloster, wo sich Grundschule und Gymnasium befanden.

Ab 1816 absolvierte Harry auf Wunsch seiner Eltern eine kaufmännische Lehre im Kontor seines Onkels Salomon Heine in Hamburg. Zudem veröffentlichte er seine ersten Gedichte im Hamburger Wächter unter dem Pseudonym “Sy. Freudhold Riesenharf” – ein Anagramm aus “Harry Heine Dusseldorff”. 1818 richtete ihm sein Vater eine Hamburger Filiale des Düsseldorfer Tuchwarenhandels ein. Doch der Konkurs des väterlichen Geschäfts war bereits absehbar und so wurde auch “Harry Heine et Comp.” bald darauf liquidiert.

Als Kaufmann gescheitert, kehrte Heine 1819 ein letztes Mal nach Düsseldorf zurück, um sich für sein anschließendes Jura-Studium an der frisch etablierten Universität Bonn vorzubereiten. Währenddessen zog die Familie Heine im Frühjahr 1820 nach Norddeutschland und ließ sich ab 1822 in Lüneburg nieder. Dort wohnte sie am Ochsenmarkt 1 bis zum Tod des Heines Vater 1828.

Obwohl Heinrich Heine seine Geburtsstadt Düsseldorf fortan nicht mehr besucht hat, sind ihm seine Erlebnisse aus Kindheit und Jugend unvergessen geblieben. Passagen daraus finden sich zahlreichen in seinen Werken, wie dem „Buch der Lieder“, dem Reisebild „Ideen. Das Buch Le Grand“, dem Schelmenroman „Die Memoiren des Herren von Schnabelewopski“, dem Gedichtband „Romanzero“ sowie den „Geständnissen“ und dem Memoirenfragment.

Henri Heiné in Paris – 25 Jahre Vermittler zwischen Deutschland und Frankreich

Hier in Frankreich ist mir gleich nach meiner Ankunft in Paris mein deutscher Namen „Heinrich“ in Henri übersetzt worden, da ersterer dem französischen Ohr nicht zusagte und überhaupt die Franzosen sich alle Dinge in der Welt recht bequem machen. Auch den Namen Henri Heine haben sie nie recht aussprechen können (…) Heinrich, Harry, Henri, alle diese Namen klingen gut, wenn sie von schönen Lippen gleiten. Am besten freylich klingt Signor Enrico.

Memoirenfragment

1831 ging Heine nach Paris, um durch seine Arbeit als Autor und Korrespondent die Verständigung zwischen Deutschen und Franzosen zu fördern. Er veröffentlichte Betrachtungen über deutsche Literatur und Philosophie und war gern gesehener Gast vieler berühmter, literarischer Salons. In der Stadt der Liebe lernte er auch seine zukünftige Frau kennen, die 19jährige Augustine Crescence Mirat, ein Naturschönheit aus einfachen, bäuerlichen Verhältnissen. Er nannte sie Mathilde und stilisierte seine Beziehung zu ihr nach literarischem Vorbild. Denn „Heinrich und Mathilde“ waren das Brautpaar aus dem Romanfragment „Heinrich von Ofterdingen“. Heine schätzte Novalis sehr. 1841 heiratete er Augustine in der Kirche St. Sulpice nach katholischem Ritus. Das Paar blieb kinderlos.

Unterdessen erreichte die Zensur zeitkritischer Literatur in Deutschland einen Höhepunkt. Unter dem Sammelbegriff „Junges Deutschland“ erhielten u.a. Heinrich Heine und Ludwig Börne ein zeitweises Publikationsverbot durch die Deutsche Bundestagsversammlung. Ab 1835 verwandelte sich somit Heines freiwilliger Aufenthalt in Paris zum Exil. Erst 1843/44 kehrte Heine auf zwei Reisen noch einmal nach Deutschland zurück und hielt seine Eindrücke im Versepos “Deutschland. Ein Wintermärchen” fest. Aufgrund seiner scharfer Kritik an Preußen wurde er daraufhin steckbrieflich gesucht. An eine Rückkehr nach Deutschland war nicht mehr zu denken.

Heines körperlicher Zustand verschlechterte sich zudem ab 1846 dramatisch und es gab erste Todesmeldungen. Er litt nach aktuellen Erkenntnissen an der Autoimmunerkrankung Myasthenia gravis, die zu wechselnd ausgeprägter Muskelschwäche und Lähmungserscheinungen führte. (Weiterlesen) Doch Heine arbeitete unbeirrt weiter, veröffentlichte neue Gedichte, Geständnisse und seine französische Gesamtausgabe. Am 17. Februar 1856 starb er nach langjähriger Krankheit in Paris und wurde auf dem Friedhof Montmartre begraben.

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