McDonald’s versus Heinrich Heine

McDonalds in der Neustraße schließt und eröffnet gegenüber dem Heine-Geburtshaus. (Foto: SP)

Die Düsseldorfer Altstadt – ein Ort voller Geschichte, Kultur und … Fastfood? Richtig gelesen! Das Heine-Haus in der Bolkerstraße 42, einst Wohnhaus der Familie des berühmten Dichters Heinrich Heine, befindet sich heute inmitten eines Schmelztiegels amerikanisch-britischer Fast-Food-Ketten. Während das Geburtshaus Heinrich Heines in der Bolkerstraße 53 seit 2006 die renommierte Literaturhandlung Müller & Böhm beherbergt, wird nur wenige Meter entfernt in Kürze eine McDonald’s-Filiale eröffnen. Die Gegensätze in der Düsseldorfer Altstadt zwischen Hochkultur und Fast-Food-Meile sind Thema dieses Beitrags.

1. Die Fast-Food-Invasion: Von Burger King bis McDonald’s

Alles begann 2005, als Burger King einen Teil der ehemaligen Mata-Hari-Passage übernahm. Zehn Jahre später, 2015, eröffnete KFC im ehemaligen „Hühner-Hugo“. Und nun, im Jahr 2022, wird auch McDonald’s in die Bolkerstraße einziehen, und zwar ausgerechnet in das ehemalige Wohnhaus der Familie Heine.

Seit 1976 lockt McDonald’s in der Neustraße 16 und ist die bestbesuchte McDonalds-Filiale in ganz Düsseldorf. Die Filiale direkt am U-Bahnhof Heinrich-Heine-Allee war ein beliebter Treffpunkt. Doch am 13. Juli 2022 schließt diese Institution ihre Pforten und zieht direkt vor die Haustür des kulturellen Erbes von Heinrich Heine.

Das McDonald’s auf der Neustraße schließt in Kürze. Foto: SP

2. Die Verwandlung der Bolkerstraße: Von der Wohngegend zur „längsten Theke der Welt“

Bis in die 50er Jahre war die Düsseldorfer Altstadt vor allem ein Wohnviertel. Doch in den 60er Jahren begann ein Wandel, der der Bolkerstraße 1971 den Spitznamen „Längste Theke der Welt“ einbrachte. Mit damals 200 Gaststätten, Kneipen und Diskotheken – heute sind es 300 – zog die Straße immer mehr feierfreudige Menschen an. Das Altbierlied von 1978/79 und die Punk-Version der Toten Hosen von 1986 machten den Ruf deutschlandweit bekannt.

Doch nicht alles an der Partymeile ist eitel Sonnenschein. Seit 2012 sind auch die Schattenseiten der „Mallorcanisierung“ unübersehbar: Zunehmende Aggressionen, Körperverletzungen, Straßenraub und sogar Todesfälle gehören in den späten Abendstunden zur traurigen Realität auf der Bolkerstraße.

3. Was läuft schief in der Düsseldorfer Altstadt?

Diese Frage stellte sich auch der Journalist Benjamin Sartory in seinem Radiobeitrag vom 9. März 2022: Wie verträgt sich der Geburtsort Heinrich Heines, ein Ort der deutschen Literatur, mit der Welt der Schnellrestaurants und Ballermann-Diskotheken? In dem Beitrag, für den auch ich als Stadtführerin und Bloggerin interviewt wurde, ging es um die Diskrepanz zwischen kulturellem Erbe und moderner Partymeile. Der Beitrag war bis Mitte 2023 auf WDR 5 Morgenecho zu hören und regte viele Hörer zum Nachdenken an.

4. Fazit: Heinrich Heine und das Bier

Was hätte wohl Heinrich Heine dazu gesagt? Wahrscheinlich hätte er diese Entwicklung mit scharfem Witz und Ironie kommentiert. Und wer weiß, vielleicht hätte er sich nach dem literarischen Diskurs tatsächlich ein Altbier in einer der Hausbrauereien gegönnt.

Ich bin nicht mehr Monotheist in der Liebe, sondern wie ich mich zum Doppelbier hinneige, so neige ich mich auch zu einer Doppelliebe.


Brief vom 24. Februar 1824 an Moses Moser

Update: Die neue McDonalds-Filiale hat seit 19. Juli 2022 geöffnet.

5. Zum Weiterlesen

Hühner Hugo eröffnet heute als KFC, in: Solinger Tagblatt 22.9.2014

Eine Chronik der Gewalt in der Altstadt, in: Rheinische Post 7.7.2014

Heinrich Heine war in Düsseldorf zuhause.

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