Das rote Sefchen: Heinrich Heines erste Jugendliebe

Fotocollage: SP unter Verwendung des gemeinfreien Frauenbildes von Wladimir Wassiljew von Pexels

Am heutigen Valentinstag möchte ich einen Blick in das junge Liebesleben Heinrich Heines werfen. Bevor er sich in Amalie, die Tochter seines reichen Onkels Salomon, verliebte, war er dem roten Sefchen verfallen. Einen größeren Gegensatz zwischen zwei Frauen kann man sich kaum vorstellen: die unkonventionelle Henkerstochter, mit der er Volkslieder sang, gegen die kühle Bankierstochter, für die der junge Kaufmann Harry Heine eine schlechte Partie war.

1. Heinrich Heine: Der rote Sefchen

Auszug aus seinen Memoiren

Ich unterhielt die Bekanntschaft mit der Göcherinn und ich mochte wohl schon in einem Alter von 16 Jahren seyn, als ich öfter als früher nach ihrer Wohnung ging, hingezogen von einer Hexerey, die stärker war als alle ihre lateinisch bombastischen Philtraria. Sie hatte nemlich eine Nichte, welche ebenfalls kaum 16 Jahr alt war, aber plötzlich aufgeschossen zu einer hohen schlanken Gestalt viel älter zu seyn schien. Das plötzliche Wachsthum war auch Schuld daß sie äußerst mager war. Sie hatte jene enge Taille welche wir bey den Quarteronen in Westindien bemerken, und da sie kein Corset und kein Dutzend Unterröcke trug, so glich ihre enganliegende Kleidung dem nassen Gewand einer Statue; keine marmorne Statue konnte freylich mit ihr an Schönheit wetteifern, da sie das Leben selbst und jede Bewegung die Rhythmen ihres Leibes, ich möchte sagen sogar die Musik ihrer Seele offenbarte. Keine von den Töchtern der Niobe hatte ein edler geschnittenes Gesicht, die Farbe desselben wie ihrer Haut überhaupt, war von einer etwas wächsernen Weiße, ihre große, tiefdunkle Augen sahen aus als hätten sie ein Räthsel aufgegeben und warteten ruhig auf die Lösung, während der Mund mit den schmalen hochaufgeschürzten Lippen und den kreideweißen etwas länglichen Zähnen zu sagen schien: du bist zu dumm und wirst vergebens rathen. (…)

Ich will meine Liebe für Josepha nicht näher beschreiben. So viel aber will ich gestehen, daß sie doch nur ein Präludium war welches den großen Tragödien meiner reiferen Periode voranging. So schwärmt Romeo erst für Rosalinde eh er Julie sieht. In der Liebe giebt es ebenfalls wie in der römischen Religion ein provisorisches Fegfeuer in welchem man sich erst am Gebratenwerden gewöhnen soll ehe man in die wirkliche ewige Hölle geräth – Hölle? Darf man der Liebe mit solcher Unart erwähnen? Nun, wenn ihr wollt, ich will sie auch mit dem Himmel vergleichen. Leider ist in der Liebe nie genau zu ermitteln wo sie anfängt mit der Hölle oder mit dem Himmel die größte Aehnlichkeit zu bieten, so wie man auch nicht weiß ob nicht die Engel die uns darin begegnen etwa verkappte Teufel sind oder ob die Teufel dort nicht manchmal verkappte Engel seyn mögen –

2. Das Sefchen-Lesung aus meinem neuen Buch

In der 10. Folge von #HeineLesen stelle ich Ihnen das Sefchen-Kapitel aus meinem neuen Buch vor, an dem ich weiterhin intensiv arbeitete. Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen!


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Heinrich Heine war in Düsseldorf zuhause.

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